Adventsspur 06.12.2025

„Morgen kommt der Weihnachtsmann“
"Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken, freigebig sein und, was sie haben, mit anderen teilen."
(1. Timotheus 6,18)
Er hatte so sehr gewartet und gehofft. Erwartet, dass auch vor seiner Tür etwas liegen würde. Dass der Nikolaus ihn nicht vergessen würde. Na klar war es seine Mutter, die nachts heimlich – wenn er schon schlief – ganz leise die Tür öffnen würde und einen kleinen Nikolaus aus Schokolade stellen würde.
Vielleicht würde sie es auch wieder vergessen, so wie in den letzten Jahren. „Was sind das denn schon für Rituale – da glaubst du doch selbst nicht mehr dran! An den Nikolaus oder den Weihnachtsmann!“ hatte sie letztes Jahr gesagt, als er traurig nachfragte, ob er wohl vergessen worden sei. „Dafür bist du doch jetzt schon zu groß!“ und „Dieser ganze Konsumrausch in der Weihnachtszeit – schrecklich! Volksverdummung!“ hörte er sie noch vor sich hinreden, während sie schon wieder in die Küche gegangen war, um rum zu wuseln. So musste sie nicht in seine traurigen Augen schauen.
Nächstes Jahr würde sie dran denken, dachte sie sich. Wenn es ihm denn tatsächlich noch so viel bedeutet! Nächstes Jahr werde ich nichts mehr erwarten, dachte sich der Junge. Ist mir doch egal! Ich glaube ja eh nicht mehr dran. Und wenn man nichts mehr erwartet, dann kann man auch nicht enttäuscht werden.
Nun war er älter geworden und mitten im Leben. Voll in seinem Beruf eingespannt.
Und wie jedes Jahr kam der 6. Dezember. Alles wie immer. Er würde gleich zum Büro aufbrechen.
Als er die Wohnungstür öffnete, fielen ihm die Stiefel und Teller der Nachbarskinder auf.
„Ach ja –Nikolaustag!“, schmunzelte er etwas belustigt.
Und im selben Moment kam sein alter Schmerz um die Ecke: Dass seine Mutter nicht an ihn gedacht hatte. Dass er leer ausblieb. Dass sie sich weggedreht hatte, als ihm die Tränen kamen. Damals hatte er seine Erwartungen begraben und seinen alten Schmerz auch.
Dachte er. Jetzt war er plötzlich wieder da.
Und er schloss für einen Moment die Augen, um sich wieder sortieren.
„Wie albern. Diese alte Geschichte!“ er drehte sich um, um die Tür abzuschließen. Da fiel sein Blick auf die Mandarine, die in der Ecke seines Türrahmens lag!
Und als er sie aufhob, lief ihm eine warme Träne über sein Gesicht, so berührt war er.
Irgendjemand im Haus hatte an ihn gedacht. An ihn!
Es wurde die leckerste Mandarine, die er je gegessen hatte.
Seitdem legt er zum Nikolaustag den Nachbarinnen und Nachbarn auch eine Kleinigkeit vor die Tür. Egal, wie alt sie sind und ob er sie kennt.
Impulse
- Lege heute jemandem eine Kleinigkeit vor die Tür. Eine Nuss, eine Mandarine, einen Zettel mit einem guten Wort.
Teilen kann heilen – sogar ganz alte kleine Wunden.
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Ilka Friedrich
Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen Ihr Adventsspurenlegerteam
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Ursula Hartmann, Dr. Christoph Klock, Dr. Petra Knötzele, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe, Judith Weiler und Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Ilka Friedrich
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