Spurensuche 21.07.2025

Das bisschen Haushalt … Jesus bei Maria und Marta
"Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen, aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden."
(Lukasevangelium 10,38-42)
Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem und findet im Haus der beiden Schwestern Maria und Marta gastliche Aufnahme. Marta ist ganz davon in Anspruch genommen, dem Besucher ihre Gastfreundschaft zu erweisen. Maria dagegen sitzt zu Füßen des Herrn und hört ihm zu, tut aber selber nichts. Bis Marta der Kragen platzt und sie Jesus ziemlich schroff auffordert, er solle doch dafür sorgen, dass Maria ihr hilft. Jesus weist dieses Ansinnen mit den oben zitierten Worten zurück.
Die kurze Stelle wirft Fragen auf und hat zu vielen Diskussionen Anlass gegeben. Wird Marta von Jesus getadelt und Maria ungebührlich bevorzugt? Lässt sich daraus ablesen, dass das beschauliche, kontemplative Leben höher zu bewerten ist als das aktive, wie es in mittelalterlichen Benediktinerklöstern gepflegt wurde? Sieht man genauer hin, ist die Alternative sicherlich falsch, beides darf nicht gegeneinander ausgespielt werden, beides gehört zusammen. Schon die Regel Benedikts verpflichtet die Mönche zu Gebet und Arbeit. Das zeigen auch die vielen caritativen Orden, die sich neben dem Gebet der Sorge um Arme, Kranke und Notleidende gewidmet haben und dies bis heute tun.
Wie passen Maria und Marta in diesen Rahmen? Marta ist von all ihrer Mühe förmlich zerrieben und zerrissen. Unsere Übersetzungen mildern Jesu Formulierungen leider ab. Marta kann sich gar nicht mehr über den Besuch freuen. Sie hat kein Auge mehr für Jesus, nur noch für ihre Arbeit. Gastfreundschaft wird ihr zur Last. Was dieser Besuch Jesu bedeutet, welche Lebensbotschaft er ihr erschließen kann, das erreicht sie nicht. Und diesen Unmut überträgt sie auf ihre Schwester, die die eigentliche Bedeutung von Jesu Kommen erkannt hat.
Jesus schätzt Martas Arbeit keineswegs gering, trotz der sanften Korrektur. Ihm geht es um die richtige Gewichtung. Jedes Tun des Menschen soll sich herleiten aus seiner Beziehung zu Gott, die sich im Hören auf sein Wort ausdrückt. Sie erst gibt dem Menschen die Kraft, sich anderen zuzuwenden, ohne dadurch in einen Burnout zu geraten. Wie es die Theologin Dorothee Sölle ausgedrückt hat: Zum Beten faltet der Mensch die Hände, um sie dann für den anderen zu öffnen. Darin könnte, neben allem Bedürfnis nach physischer Erholung, ein tieferer Sinn von Ferien und Urlaub liegen.
Ich wünsche Ihnen frohe und segensreiche Sommertage!
Impulse
- In den fünfziger und noch den sechziger Jahren, als die technische Ausstattung der Küchen gerade erst Fahrt aufgenommen hatte, suggerierte die Werbung das Klischee der adretten, zufriedenen Hausfrau, die mit strahlendem Lächeln ihre Familie glücklich machen will. Tatsächlich war die Hausarbeit vielfach nicht leichter als auf dem Gemälde vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Wie schätzen Sie Ihre Situation heute ein?
- Johanna von Koczian hat 1977 dieses Klischee mit milder Ironie in einem populären Schlager aufgegriffen: „Das bisschen Haushalt … sagt mein Mann.“ Verknüpfung Auch wenn sich vieles zum Teil radikal geändert hat, die gesellschaftliche Realität von heute stellt Frauen in Beruf, Haushalt und Erziehung der Kinder (oft allein) vor große Herausforderungen. Kann Jesus dazu ermutigen, zu sich selbst zu finden?
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Christoph Klock
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing und Britta Tembe
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Abraham van Stuij der Ältere (1753-1826): Die Hausfrau (entstanden zwischen 1800 und 1811) @ Wikimedia Commons
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