Spurensuche 13.10.2025

Der liebevolle Schöpfer - die liebevolle Schöpfung
"Ich erhebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat"
(Psalm 121,1-2
Im Urlaub faszinierte mich im Dom zu Roskilde in Dänemark ganz besonders die kunstvoll ausgearbeiteten Schnitzereien am Chorgestühl. Sie stellen heilsgeschichtlich bedeutende biblische Szenen dar, sind quasi eine Bilderbibel. Sehr lange betrachtete ich das Motiv mit der Erschaffung der Eva in dem Ihnen hier gezeigten Ausschnitt. Was soll ich Ihnen sagen: Ich war hin und weg von dieser irgendwie intimen Szene. Gott blickt Eva an, legt seine linke Hand schützend auf ihren Rücken, umfasst mit seiner rechten Hand ihre Hände, zieht Eva an sich. Genießt Eva diesen Moment, wie kann ich ihren Gesichtsausdruck deuten? Ich war nicht mehr nur Betrachtende, ich wurde in diesen Schöpfungsmoment mit hineingenommen: Wie Eva, so werde auch ich von Gottes Liebe umfangen! Das hat mich mitten am Tag beseelt.
Zurück im Alltag verblassen manche Eindrücke, einige bleiben lebendig in Erinnerung, so für mich auch diese geistliche Urlaubserfahrung.
Nun darf ich beim Spurenlegen ein paar Gedanken zu den biblischen Texten der katholischen Liturgie des kommenden Sonntags mit Ihnen teilen. Berührt hat mich eine Frage aus dem Psalm 121, die Sie sich sicher auch schon oft gestellt haben im Blick auf herausfordernde Wegstrecken, wenn sich Hindernisse in den Weg stellen: „Woher kommt mir Hilfe?“ Die Antwort, von Lebenswegerfahrung geprägt, folgt im Psalm sofort: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat.“
Und da war sie wieder: Die Erinnerung an das Motiv der Erschaffung der Eva. Die Erinnerung an den Beginn der liebevollen Beziehung zwischen dem Schöpfergott und einem Menschen.
Teresa von Avila, eine Mystikerin des 16. Jahrhinderts, hat einen Text verfasst, der diese Liebesbeziehung in wunderschönen Worten verdichtet hat.
Gott spricht:
O Seele, suche dich in mir,
und Seele, suche mich in dir.
Die Liebe hat in meinem Wesen
Dich abgebildet treu und klar;
kein Maler lässt so wunderbar,
o Seele, deine Züge lesen.
Hat doch die Liebe dich erkoren
Als meines Herzens schönste Zier:
Bist du verirrt, bist du verloren,
o Seele, suche dich in mir.
In meines Herzens Tiefe trage
ich dein Porträt, so echt gemalt;
sähst du, wie es vor Leben strahlt,
verstummte jede bange Frage.
Und wenn dein Sehnen mich nicht findet,
dann such nicht dort und such nicht hier:
Gedenk, was dich im Tiefsten bindet,
und, Seele, suche mich in dir.
Du bist mein Haus und meine Bleibe,
bist meine Heimat für und für;
ich klopfe stets an deine Tür,
dass dich kein Trachten von mir treibe.
Und meinst du, ich sei fern von hier,
dann ruf mich, und du wirst erfassen,
dass ich dich keinen Schritt verlassen:
und, Seele, suche mich in dir.
Teresa von Avila (1515-1582)
Ich lade Sie ein, sich diesen Text einmal selbst vorzulesen. Vielleicht mit verschieden Stimmungen in der Stimme, mal ruhig, mal drängend, mal laut, mal leise…
Und wenn er Ihnen gefällt, dann lässt er sich ausgedruckt oder im Mobiltelefon abgespeichert gerne an Orte und in Situationen verbringen, an denen wir uns die Frage „Woher kommt mir Hilfe?“ häufig stellen, wir privat wie beruflich nach Antworten suchen.
Viel Freude bei der Spurensuche nach dem Göttlichen in Ihrem Alltag.
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Monika Eberl-Reifenberg
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing und Britta Tembe
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Monika Eberl-Reifenberg
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