Spurensuche 23.03.2026

Komm heraus!
"Jesus erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast … Nach-dem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Ver-storbene heraus, seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt."
(Johannesevangelium 11,41.43-44)
Ein Mann ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Seine beiden Schwestern Marta und Maria sind von Schmerz überwältigt. Alle Freunde und Bekannten sind gekommen, um mit ihnen zu trauern. Nur einer nicht, auf den sie so sehr gehofft haben: Jesus. „Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben,“ wird Marta ihm mit leisem Vorwurf sagen, als er endlich ankommt. Da ist Lazarus schon vier Tage tot und begraben. Nach menschlichem Ermessen ist sein Tod endgültig.
Wo ist Gott, wenn man ihn so nötig braucht? Unzählige Menschen haben sich diese Frage sicherlich schon gestellt und sind an einer Antwort verzweifelt. Der Trost, das Mitgefühl anderer haben sie nicht erreicht. Sie spüren ihre Hilflosigkeit und ihre Einsamkeit.
Jesus nimmt diese Empfindungen ernst, er teilt sie sogar. Er weint mit den Weinenden und trauert mit den Trauernden. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied. Während rings um ihn scheinbare Glaubensgewissheiten zerbrechen und Glaubenssätze, wie Marta sie formulieren wird, wenig hilfreich sind, bringt er, der sich wie kein anderer in der Liebe Gottes geborgen weiß, eine neue Gewissheit mit. In der Begegnung mit ihm erfahren die beiden Schwestern, dass Gott ihnen nahe ist. Gott ist nicht ein abstraktes unfassbares Gegenüber in einer weltentrückten Wirklichkeit, sondern in Jesus einer, der mitfühlt und mitleidet, als Mensch unter Menschen mit ihren Fragen, Zweifeln und Nöten.
Marta und Maria gelingt es, sich ganz auf Jesus zu beziehen und sein Wort, dass er die Auferstehung und das Leben ist, anzunehmen. Aber noch fehlt eine überzeugende Zeichenhandlung. Jesus handelt, und Lazarus kehrt ins Leben zurück, fast schon eine gespenstische Szene. Ins irdische Leben freilich. Er wird wieder sterben, das weiß er, das wissen auch seine Schwestern und alle, die das Geschehen mitverfolgen. Doch die Begegnung mit Jesus verändert ihre Sicht auf das Leben. Sie erfahren, dass Gott nicht nur Leben schenken will, sondern dass er es auch kann.
Was Gott an diesem einen Menschen tut, das tut er auch an Jesus, in der Auferweckung am Ostermorgen. Wir kennen das Sprichwort: Einmal ist keinmal. zweimal ist immer. Das Leid wird nicht einfach aus der Welt geschafft, doch Gott gibt eine Lebenszusage, die allen Menschen gilt und den Horizont unserer Erkenntnisse und Vorstellungen radikal übersteigt. Das Licht des Lebens und der Hoffnung ist seit Ostern nicht mehr dasselbe.
Komm heraus, sagt Jesus, aus der Enge deiner Angst. Ich wünsche uns allen, dass wir seine Stimme hören.
Impulse
- Die Auferweckung des Lazarus Joh 11,1-46 ist eine wohl nicht ganz leicht nachvoll-ziehbare Erzählung, die der Evangelist in der für ihn so typischen Umständlichkeit ausbreitet. Nehmen Sie sich Zeit dafür.
- Können Sie sich in Marta und Maria hineinversetzen? Lassen Sie Ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen zu Wort kommen.
- Ein für mich ungemein tröstendes Lied ist Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt. Sie finden es im evangelischen Gesangbuch unter Nr. 98 und im Mainzer Bistumsteil des GOTTESLOBs unter Nr. 793. Der Text korrespondiert auch mit dem Wunder der keimenden Natur, das wir gerade erleben. Verknüpfung
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Christoph Klock
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe und Dr. Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Giotto, Die Auferweckung des Lazarus, Padua, etwa 1306 / Wikimedia Commons
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