Spurensuche 08.06.2026

Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot, das ist hart.
(Deutsches Sprichwort)
"Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit."
(Johannesevangelium 6,58)
In der katholischen Kirche wurde gerade das Fest Fronleichnam gefeiert. Vielerorts wurde in einer Prozession die Eucharistie, der Leib Christi, durch die Straßen getragen. Welch ein Kontrast! Ein kostbar gestaltetes Zeigegefäß, die Monstranz, und in ihrem Mittelpunkt, kaum wahrnehmbar, eine kleine Scheibe Brot. Sinnbild dafür, wie Gott sich klein und unscheinbar macht in einer Welt, die wieder einmal durch Pracht und Machtentfaltung sich selbst ins rechte Licht setzen möchte und dabei übersieht, wieviel Armut und Elend an so vielen Orten und in so vielen Herzen herrscht.
Deutschland gilt als das klassische Land des Brotes. Früher war es oft üblich, dass auf die flache Unterseite des Brotes vor dem Anschneiden ein Kreuz eingeritzt wurde. Menschen machten sich bewusst, dass sie ihr tägliches Brot, um das sie im Vater unser beteten, nicht nur durch ihre eigene Arbeit, sondern auch und vor allem durch die fürsorgende Güte Gottes erhielten. Wenn sie so das Brot miteinander teilten, teilten sie Vertrauen, teilten sie Segen und die Verantwortung füreinander.
Im Akt seiner Selbsthingabe greift Jesus, nach dem Vorbild des Paschamahles, bewusst die Zeichenhaftigkeit des Brotes auf. Brot als Element der Bedürfnishaftigkeit des Menschen, dazu Wein als Element der Freude. Beides gehört für ihn zusammen. Sie sind Zeichen der Fülle des Lebens, die Jesus verheißt.
Damit weist das Brot über seinen Charakter als Lebensmittel hinaus und kann so zum Zeichen der Lebensmitte werden. Es steht für die Sehnsucht nach Angenommensein, nach Respekt und Vertrauen, es steht für die Hoffnung auf etwas Größeres, in dem nicht mehr die Sorge dominiert, wie es morgen und übermorgen weitergeht, die immer mehr Menschen bedrückt, sondern die Gewissheit, dass menschliches Leben in einer nicht fassbaren, aber dem Glauben zugänglichen Wirklichkeit geborgen ist.
Essen ist vielfach von Hast und Eile geprägt. Vielleicht gelingt es aber, wenigstens einmal am Tag in Ruhe darüber nachzusinnen, welch großes Geschenk wir da in unseren Händen halten.
Impulse
- Die großen Fronleichnamshymnen des Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert, als das Fest populär wurde, kreisen um das unergründliche Geheimnis der Eucharistie bzw. des Abendmahles; im katholischen GOTTESLOB vgl. etwa Nr. 493-497. Moderne Lieder betonen eher den Gemeinschaftscharakter der gottesdienstlichen Handlung, z. B. GOTTESLOB Nr. 474 Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot.
- Das Historische Museum der Pfalz in Speyer bewahrt eine kleine Kostbarkeit, einen christlichen Brotstempel aus dem 4. Jahrhundert. Die Vorderseite zeigt das Christusmonogramm XP, die Rückseite den Teil eines Kreuzarmes. Entsprechend zusammengelegt ergeben sie ein Kreuz mit dem Monogramm in der Mitte. Die Umschrift lautet AD PANEM PINGERE – UTERE FELIX: Auf das Brot drücken – gebrauche es glücklich. -
Abb. unter: Verknüpfung - Dass Brote zu Steinen werden, wenn man sich weigert, sie mit den Armen zu teilen, ist ein Motiv vieler Volkssagen. Eine Kurzgeschichte aus der unmittelbaren Erfahrung nach dem 2. Weltkrieg verfasste kurz vor seinem Tod Wolfgang Borchert: Das Brot (Erstveröffentlichung 13. November 1946). Es geht um verletztes Vertrauen zwischen zwei Eheleuten und ihre Schwierigkeiten, einander wieder näherzukommen und sich zu versöhnen.
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Christoph Klock.
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe und Dr. Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: ortus sanitatis (Garten der Gesundheit), Mainz 1491, zum Abschnitt Panis (Brot) @ Wikimedia Commons
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