Spurensuche 29.06.2026

Der schwere Weg der Gerechtigkeit
"Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, gnädig sein."
(Losung: Amos 5,15)
"Zieht nicht mit den Ungläubigen an einem Strang. Wie passen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit zusammen? Oder was hat das Licht mit der Finsternis zu tun?"
(Lehrtext: 2.Korinther 6,14)
'Das ist ungerecht!' sagt die kleine Tochter unserer Nachbarn, als sie mit ihrem Papa und ihren Geschwistern das Treppenhaus runtergeht. 'Warum hat mein Bruder ein neues Fahrrad bekommen und ich muss immer noch mit dem alten Ding herumfahren, das schon so hässlich ausschaut?' Ihr Vater abtwortet: 'Dein Bruder hat ein Neues bekommen, weil das Alte zu klein für ihn gewesen ist. Deines sieht zwar vielleicht nicht so schön aus, aber es funktioniert einwandfrei.' 'Aber das ist ungerecht' sagt die Kleine wieder, 'ich will auch so ein schönes neues Fahrrad haben, denn in der Schule lachen die anderen mich wegen dem ollen Ding schon aus'
Ungerecht, gerecht, was bedeutet das eigentlich? Gerechtigkeit zählt seit Alters her zusammen mit der Weisheit, der Tapferkeit und der Besonnenheit zu den 4 Grundtugenden. Und zu allen Zeiten beanspruchen die Herrscher und Mächtigen dieser Welt sie gerne für sich. Und so wundert es auch nicht, dass sie in bildlich-allegorischer Darstellung in so vielen Palästen zu finden ist. Wir alle wissen, wie oft dieser Anspruch und die Wirklichkeit nur wenig miteinander zu tun hatten und haben. Aber nochmal, was bedeutet das eigentlich, Gerechtigkeit?
Ist es gerecht, wenn alle das Gleiche bekommen? Rein impulsiv sagt mancher vielleicht spontan ja. Aber das ist wohl nur eine sehr kurzsichtige Antwort auf eine durchaus komplizierte Frage. Denn was ist mit besonderen Bedürfnissen wie etwa einer körperlichen Einschränkung? Hat so jemand nicht auch ein Anrecht auf eine besondere Unterstützung? Und was ist mit besonderen Begabungen, wie etwa künstlerischem oder musikalischem Talent? Sollten die nicht auch besonders gefördert werden? Und ist es nicht auch zutiefst ungerecht, eine solche Begabung verkümmern zu lassen, wenn sie erkannt wird?
Wie sieht wahre Gerechtigkeit also aus? Je länger ich drüber nachdenke spüre ich, wie schwer das ist, so etwas wie Gerechtigkeit herzustellen. Bestenfalls annähern können wir uns diesem Ziel. Und dies wohl am besten, wenn wir die anderen 3 Tugenden dabei mit heranziehen. Denn oft genug muss man auch Mut aufbringen, um für die Gerechtigkeit einzustehen. Und zumeist braucht es dabei auch ein gehöriges Maß an Besonnenheit, um nicht vorschnell Entscheidungen übers Knie zu brechen. Und um das alles im rechten Maß gegeneinander abzuwägen, braucht es vor allem eines: eine schier unendliche Tiefe der Weisheit.
Allen Recht machen können wir es nie. Und immer wieder wird sich dabei auch die eine oder andere Entscheidung, die wir treffen, im Nachhinein als falsch herausstellen. Wir sind eben nur Menschen und wir machen manchmal auch Fehler. Das ist nun mal so. Denn niemand ist unfehlbar, außer Gott allein. Und obwohl wir nur schwache und unfehlbare Menschen sind, stellt Gotte uns vor diese schier unlösbare Aufgabe: 'richtet das Recht auf im Tor', also dort wo Recht gesprochen werden soll. Wenn wir das tun, dann überlassen wir den Ungerechtigkeiten dieser Welt eben nicht kampflos das Feld, sondern werden zum Licht Gottes, das in der Finsternis scheint.
Impulse
- Wann habe ich mich ausgesprochen gerecht behandelt gefühlt?
- Wann besonders ungerecht?
- Wann habe ich jemanden Anden schon einmal sehr ungerecht behandelt?
- Habe ich bzw. sollte ich dafür um Verzeihung bitten?
- Was hindert mich vielleicht daran, dies zu tun?
- Lassen sie sich zur Ermunterung dabei vom Lied ‚Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen‘ durch die Woche begleiten (EG 640): Verknüpfung
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Hans-Jürgen Steubing
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe und Dr. Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Dr. Hans-Jürgen Steubing: Statue im Festsaal in der ehemaligen Zisterzienserabtei Leubus, in der Nähe des Dorfes Lubiąż, etwa 54 km nordwestlich von Breslau
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