Spurensuche 24.08.2026
Entschlüsselt
"Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben …"
(Jesus zu Petrus: Matthäus 16,19)
Bestimmte Schlüssel zu besitzen bedeutet mitunter, eine gewisse Macht zu haben. Der Schlüsselinhaber kann sich und anderen Zugänge eröffnen oder versperren. Deshalb fällt es manchen Menschen schwer, Schlüssel wieder abzugeben, etwa beim Wohnungswechsel oder bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Schlüssel geben auch Sicherheit, doch in den falschen Händen eröffnen sie fremden Personen die Möglichkeit, in unsere Privatsphäre einzudringen. Wer kann schon gut schlafen, wenn ein Wohnungsschlüssel verloren gegangen ist? Eine Schlüsselversicherung kann beim Verlust eines Generalschlüssels vielleicht vor hohen Kosten bewahren, wenn die ganze Schließanlage ausgetauscht werden muss. Aber wer hat die schon?
Ich möchte mich gerne in Petrus hineinversetzen, dem Jesus die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut. Was geht in ihm vor? Sicherlich kennt er die schroffe Kritik Jesu an den Pharisäern und Schriftgelehrten, die diese Schlüssel besitzen, aber selbst nicht ins Himmelreich gehen und auch andere nicht hineinlassen (Mt 23,13). Spürt er die Versuchung, die ihm von Jesus verliehene Binde- und Lösegewalt als Machtfaktor einzusetzen, wie es in der Kirchengeschichte so oft geschehen ist? Hat er eine Ahnung von der Verantwortung, die Jesus ihm, dem impulsiven und wankelmütigen ‚Felsen der Kirche‘, zutraut? Ein Fels kann bedrohen und zermalmen. Er zerstört das Standbild, das im Buch Daniel (Kap. 2) die vier Weltreiche symbolisiert, er bereitet dem Sisyphos nie endende Qualen, dem er kurz vor dem Gipfel des Berges, zu dem er ihn hochrollen soll, immer wieder aus den Händen gleitet. Aber Petrus ist ein Fels, der weinen kann.
Dreh- und Angelpunkt der Schlüsselübergabe an Petrus ist dessen Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn des lebendigen Gottes. Das ist der unabdingbare Raum, in dem allein das Wort gilt und sich entfalten kann. Das muss auch der Maßstab unseres Handelns sein, unseres Umgangs mit anderen, unserer Verantwortung ihnen gegenüber. Barmherzigkeit und Liebe statt Macht und Ausgrenzung.
Impulse
- Herbert Grönemeyers Lied ‚Der Schlüssel‘ (2023) beschreibt das Trauma von Flucht, Vertreibung und Fremdheit (‚der alte Schlüssel schließt nicht mehr‘), aber auch die Urkraft der Hoffnung, wie sie in Kindern aufkeimt: Verknüpfung
- Der Schlüssel zum Herzen ist ein häufiges Motiv der Liebeslyrik. Ein anonymer Dichter des 12. Jh. fasst es in die Verse: Du bist min, ich bin din. Des solt du gewis sin. Du bist beslozzen in minem herzen. Verloren ist das sluzzelin: du muost ouch immer darinne sin. – Wer hat den Schlüssel zu Ihrem Herzen, zu wessen Herzen haben Sie einen Schlüssel?
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Christoph Klock
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe und Dr. Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Römischer Schlüssel aus Bronze. | Foto: Hermann Junghans 2014 @ Wikimedia Commons
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