Spurensuche 19.10.2026

Wofür stehe ich ein? – Lucia mal anders
"Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark!"
(1. Korinther 16,13)
Bekannt ist Lucia als „Lichtbringerin“: Sie soll sich einen Kranz von Kerzen auf den Kopf gesetzt haben, um ihren nächtlichen Weg ins Gefängnis ihrer Stadt zu beleuchten – und um die Hände frei zu haben für die Gaben, die sie den Gefangenen brachte. Ein eindrückliches Bild, bis heute wird es rund um das Lucia-Fest (13.Dez.) gepflegt: Lucia, eine junge Frau, liebenswürdig und aufopferungsvoll.
Es gibt aber noch mehr Legenden über Lucia, fromme Geschichten, wie sie für Heilige typisch sind, und die nicht unbedingt historische Fakten wiedergeben – aber doch eine Botschaft vermitteln.
Ich finde: Diese Legenden über Lucia lassen sich auch lesen als Erzählungen über eine Frau, die nicht einfach nur lieb und nett ist. Eine Frau mit Mut und Stärke, die ihren eigenen Kopf hat und sich gegen Erwartungen und Konventionen stellt: Eine Ehe lehnt Lucia hartnäckig und gegen den Willen der Mutter ab, vergrault einen attraktiven Bräutigam. Sie verzichtet bewusst auf ihr Vermögen, um es den Armen der Stadt zukommen zu lassen, und stößt damit auf wenig Verständnis in ihrem Umfeld, von den persönlichen Nachteilen für eine alleinstehende Frau ganz zu schweigen. Und vor allem: Sie hält an ihrem Glauben fest auch angesichts von Bedrohung und Verfolgung – und bezahlt dafür mit dem Leben.
Einstehen für den Glauben, für den eigenen Lebensentwurf, für das Wohl anderer, entgegen den gesellschaftlichen Erwartungen, angesichts von Schwierigkeiten und Bedrohung – diese Haltung spricht aus den Legenden über Lucia.
Alte Geschichten, ganz weit weg? Nicht unbedingt. Sie können auch eine Anregung sein auch heute zu fragen: Wofür stehe ich ein? Welche Überzeugungen leiten mich? Wofür bin ich bereit, mich über Erwartungen hinwegzusetzen? Nachteile in Kauf zu nehmen? Und spielt mein Glaube dabei eine Rolle?
Impulse
- Eine Veranstaltung zum Lucia-Jahr des Pastoralraums Darmstadt-Mitte am 21.10. lädt ein zur Begegnung mit Persönlichkeiten aus unserer Stadt, die für ihre Werte und Überzeugungen einstehen. Couragierte Menschen aus allen Altersgruppen erzählen an diesem Abend in kleinen Runden von ihrem Einsatz für ganz unterschiedliche Anliegen – für Menschen in Not und Trauer, für das Gespräch der Religionen, für die Rechte alter und junger Menschen, für eine lebenswerte Stadt, für eine demokratische Gesellschaft. Das Besondere: Die Gespräche in Kleingruppen werden ausgelost. Lassen Sie sich überraschen, wem Sie an diesem Abend begegnen!
- Termin: Mittwoch, 21. Oktober 2026, ab 19:15 Uhr in den Räumen der KHG und des Bildungszentrum nr30 (Nieder-Ramstädter Straße 30, Darmstadt).
- Weitere Infos: Verknüpfung
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Dr. Annette Wiesheu
Eine gesegnete Woche wünschen Ihnen Ihre Spurenlegerinnen und Spurenleger.
Maren Dettmers, Monika Eberl-Reifenberg, Ilka Friedrich, Hans-Jörg Fritz-Knötzele, Dr. Christoph Klock, Heinz Lenhart, Heiko Ruff-Kapraun, Tobias Sattler, Dr. Hans Jürgen Steubing, Britta Tembe und Dr. Annette Wiesheu
Kirche & Co. – ein Laden der Kirchen für die Menschen in der Stadt
An der Stadtkirche 1, 64283 Darmstadt
Bild: Foto von Clay Banks auf Unsplash
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